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Frauen fühlen anders. Männer auch

Barbara Schweder

Frauen fühlen anders. Männer auch

Alfred Kriegler ist Scheidungsanwalt, ein Star in seinem Metier, bekannt nicht nur für seine Treffsicherheit und beinharten Bandagen vor Gericht, sondern auch für seine Menschlichkeit. „Ich strebe Lösungen an, mit denen alle gut leben können“, so titelt die Zeitschrift Anwalt aktuell vom Juni 2006, daneben lächelt Alfred, sympathisch und vertrauenserweckend, in die Kamera. Unsere Freundschaft ist beredtes Zeugnis für sein Talent als Mediator und seinen Fanatismus für Gerechtigkeit. Obwohl er bei der Scheidung meinen Exmann vertreten hat, schätze ich ihn als Menschen und Experten nach wie vor. Wir treffen uns in seiner Kanzlei. Ich habe um ein kurzes Interview gebeten, habe sein neues Buch dabei „Scheidungsratgeber für Männer“. Alfred erwartet mich im Mantel, modisch-elegant geschnitten, Samtkragen, ein Herr durch und durch. Er lacht auf meine erste Frage: „Typische Geschlechtsunterschiede in der Scheidungssituation? Das steht ganz außer Zweifel!“ Auf der Fahrt quer durch Wien, bei welcher Alfred versucht, Ersatz für eine erkrankte Kollegin zu finden, verrät er mir, dass er im Laufe seiner Tätigkeit als Scheidungsanwalt mehrfach ganz charakteristische Unterschiede zwischen Mann und Frau erlebt hat.

Als Scheidungsanwalt, erfahre ich, erlebt man Menschen in absoluten Ausnahmesituationen, darin unterscheiden sich die Geschlechter nicht. Interessant ist aber ein doch sehr unterschiedliches Verhalten in dieser Phase höchster Emotionalisierung. Frauen, meint Alfred, sind zielgerichteter. Wenn sie sich entschließen, sich scheiden zu lassen, sind sie offensichtlich eher in der Lage, ihre Emotionen hintanzustellen und ihre Interessen durchzusetzen. Wenn Gefühle mitspielen, dann sind diese fein nuanciert. Frauen wissen mit großer Treffsicherheit, wo die emotionalen Schwachstellen ihres noch Angetrauten sind, und bereiten minutiös den „Todesstoß“ vor.

Männer hingegen sind weitaus plumper und vor allem lauter. Sie bellen ins Telefon, was sie „der nicht alles zeigen werden!“ Demonstrativ hält Alfred das Handy weit weg von seinem Ohr, fast hört man den aufgebrachten Mann am anderen Ende der Leitung toben. Wenn es dann darum geht, konkret zu werden, sprich die Vermögensverhältnisse aufzudröseln oder die Einkommensverhältnisse darzulegen, sind Frauen die viferen. Meist haben sie im Vorfeld schon vieles abgeklärt, kommen schon aufmagaziniert zu den Terminen und gehen strategisch gewappnet ihren Weg – unerbittlich. Im Gegensatz zu Männern, die zwar ebenso erregt, gekränkt, rachsüchtig oder je nachdem auch gönnerhaft und überlegen auftreten, aber von der rationalen Umsetzung offenbar weiter entfernt sind.

Dies ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch zur nachweislich größeren Emotionalität der Frauen. Geht man davon aus, dass sich Frauen und Männer nicht unterscheiden, was die Heftigkeit der Emotionen anlangt, sehr wohl aber darin, wie diese verarbeitet werden, so wird das Bild klarer. Frauen haben die bessere Anbindung der emotionalen Zentren an die Sprachzentren im Gehirn und sind dadurch nicht nur im Vorteil, was die Konzeption und Evaluierung der Gefühle betrifft, sondern sie können diese dadurch auch besser kanalisieren und instrumentalisieren. Es fällt ihnen daher leichter, hochgradige Emotionalität rational einzuordnen, ja diese zu ihren Gunsten als „Waffe“ einzusetzen.

 

Frauen fühlen anders. Männer auch

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