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Leidenschaften

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Sie können Ihre Märtyrerrolle weiterspielen, einen Schandvergleich abschließen oder sich für eine allfällige Auseinandersetzung vorbereiten. Letzteres kann Zeit, Kräfte und Geld kosten. Meine jahrelange Erfahrung zeigt mir aber, dass Sie nur bei der Bereitschaft, sich zu stellen, Chancen für ein neues Lebensglück haben. Entscheidung Niemand entschließt sich leichtfertig zu einer Scheidung. Oft gehen einer konkreten Handlung wie der Einreichung der Scheidungsklage oder auch nur der Inanspruchnahme einer Beratung viele Jahre voraus, die von Konflikten, Zweifeln, neuen AnlÄufen und Enttäuschungen geprägt sind. Entscheidet man sich dann für eine endgültige Trennung, so soll es meist so rasch wie möglich Über die Bühne gehen, damit man – von einer Last befreit – ein neues Leben beginnen kann.
Für Frauen sind die Jahre um den 40. Geburtstag Schlüsseljahre: Die lange Lebenserwartung ermöglicht einen Neuanfang, eine Neuorientierung mit der Perspektive, das halbe Leben noch vor sich zu haben – und wenn der Partner nicht mitzieht, werden viele entsprechend unzufrieden und kommt es immer häufiger vor, dass sie aufgrund ihrer Unzufriedenheit konsequent den Schlussstrich ziehen. Die sozialen und wirtschaftlichen Gegebenheiten bieten realistische Aussichten auf eine erfüllende und glückliche zweite Lebenshälfte. Und Geschiedene sind heute nicht mehr gesellschaftlich gebrandmarkt, wie das noch vor dreißig Jahren der Fall war.
Das heißt nicht, dass es den Frauen leicht fällt, sich scheiden zu lassen – und die in der gegenwärtigen Rezession zurückgehenden Scheidungszahlen sprechen hier auch eine beredte Sprache –, ist allerdings der Entschluss einmal gefasst, gehen sie es üblicherweise sehr konsequent an.
Viele Frauen nehmen ihr Leben in die Hand, entdecken neue Möglichkeiten für eine bessere Zukunft. Die Jahre um die 40 sind daher oftmals Jahre eines Kurswechsels, eines Aufbruchs in eine neue Existenz. Erkennt der Ehemann dies nicht oder neigt er dazu, die Wünsche nach Eigenständigkeit als Allüren abzutun, kann es sein, dass er sich eines Tages allein vor dem Fernseher wiederfindet. Und nicht nur berufstätige und damit materiell abgesicherte Frauen, sondern auch immer mehr Frauen aus so genannten Hausfrauenehen „brechen aus“ und beginnen allein oder mit einem neuen Partner ein neues Leben. Für Männer sind die Jahre um die 50 die Jahre der Midlife-Crisis die Schlüsseljahre. Sie erleben mit wesentlich jüngeren Frauen einen zweiten Frühling – ein Klischee, das sich in der Wirklichkeit häufig bestätigt. Die Frage ist, wie die Ehefrau damit umgehen soll und kann, da ja nicht immer klar ersichtlich ist, ob es sich um ein Strohfeuer oder um einen Dauerzustand handelt. Der Entschluss, sich scheiden zu lassen, fällt selten leicht, wobei natürlich die finanzielle Absicherung eine große Rolle spielt. Oft dauert es eine Zeitlang, bis sich die Entwicklung deutlich abzeichnet, dann allerdings zählt die Entschlusskraft der Ehefrau: Sie entscheidet, welches Leben sie führen möchte. Und wenn der Bogen einmal Überspannt wurde, wird sie handeln.
Viele Ehefrau sind unsicher, sie befürchten, dass mit einer Scheidung das Risiko materieller Einbußen verbunden wäre, abgesehen vom Tratsch und Klatsch. Der Ehemann hat sich aber innerlich lÄngst aus der Ehe verabschiedet und findet bei einer sehr viel jüngeren Frau Selbstbestätigung und Anerkennung. Er ist erfÜllt vom Elan des Neubeginns und lässt sich diesen unter Umständen einiges kosten, auch durch ZugestÄndnisse an seine Ehefrau, von der er sich scheiden lassen möchte … Konstellationen wie diese treten immer häufiger auf: Scheidungen nach 20 und mehr Ehejahren sind heute keine Seltenheit. Eine besondere Problematik zeigt sich auch bei Paaren, die seit früher Jugend zusammen sind. Meint nun einer plötzlich, etwas Wesentliches versäumt zu haben, kommt es zur Krise. Die Konsternierung und Enttäuschung des anderen in einer vermeintlich glücklichen und langjährigen Beziehung ist dann groß.
Doch sind gerade die Lebensjahre zwischen 25 und 35 eine Zeit der Entwicklung: Persönlichkeit, Karriere und Interessen entwickeln und verÄndern sich. Diese Konstellation führt häufig über einen längeren Zeitraum zu einer häufig auch konfliktfreien Trennung. Der Zeitraum zwischen dem Entschluss und dem Ausspruch der Scheidung ist für den weiteren Lebensweg der Ehepartner und der allfällig betroffenen Kinder wesentlich. In diesem Zeitraum werden jene Weichen gestellt, die die materielle Situation der beteiligten Personen ebenso bestimmen wie die Möglichkeit und Bereitschaft, auch nach der Trennung in konstruktiver Weise miteinander umzugehen. Rund neunzig Prozent aller Scheidungen in Österreich werden als einvernehmliche Scheidungen durchgeführt. Änderungen im Eherecht haben wesentlich dazu beigetragen, dass das Scheidungsverfahren im Sinne der Betroffenen an die Realität angepasst wurde und in der Durchführung einfacher wurde.
Gleichzeitig aber ist das Leben in unserer Gesellschaft komplexer geworden, VermÖgensverhÄltnisse werden durch den nach wie vor zunehmenden Wohlstand komplizierter und die Vielfältigkeit des Zusammenlebens hat zugenommen – die „Patchworkfamilie“ sei hier als ein Beispiel genannt, als Folge einer grundlegenden Veränderung der Strukturen des Zusammenlebens.
Scheidungen sind heute zu „normalen“ Ereignissen innerhalb unserer Gesellschaft geworden, doch darf diese Normalität nicht darüber hinwegtäuschen, dass Scheidungen in der Regel von den Beteiligten und Betroffenen als krisenhafte Situationen erlebt werden, deren Bewältigung ein langfristiger Prozess ist.
Juristisch betrachtet ist die Scheidung die Regelung der materiellen und persönlichen Verhältnisse der Konfliktpartner und deren Kinder. Jede Regelung in der Scheidungsvereinbarung stellt im Prinzip darauf ab, gegenseitige Ansprüche zu definieren und zu sichern sowie dafür zu sorgen, dass die Interessen der Konfliktpartner bestmöglich gewahrt und die Existenz beider Ehegatten und deren Kinder gesichert bleibt.
Doch ist die Scheidung natürlich viel mehr als die Aufteilung des ehelichen Vermögens und die nüchterne Regelung von Unterhaltsfragen. Sie ist der Endpunkt einer Entwicklung, sie ist „Abrechnung“ in mehrfacher Wortbedeutung, sie ist Übergang in einen neuen Lebensabschnitt. Juristische Standpunkte sind da nur eine Seite der Medaille, und zwar jene Seite, die den Beteiligten hilft, mit einigermaßen klarer Perspektive in materieller Hinsicht in den neuen Lebensabschnitt eintreten zu können.
Voraussetzung dafÜr ist allerdings, dass der Entschluss zur Scheidung nicht von unÜberlegten Handlungen und voreiligen Zugeständnissen begleitet ist, die sich hinterher – und dies oft erst nach Jahren – mit teilweise bitterer Konsequenz rÄchen.
Ein „klassisches“ Beispiel sind verfrÜhte Zugeständnisse in Sachen Unterhalt – hier werden oft Fehler gemacht, die sich zum Beispiel auf die pensionsrechtliche Absicherung – meist der Frau – negativ auswirken.
Gerade deshalb erwarten Klienten auch kein Rechtsgutachten, sondern fachkundige Hilfe bei der Lösung ihrer Probleme. Das Recht soll also kein Selbstzweck, sondern muss Mittel zum Zweck sein. Die Unterstützung durch den Scheidungsanwalt beschränkt sich nur teilweise und keinesfalls ausschließlich auf die rechtlichen Aspekte. Aufgrund der persönlichen Umstände, der rechtlichen Rahmenbedingungen und der Wünsche des Klienten ist unter Berücksichtigung der Interessen aller vom Konflikt Betroffenen die beste realistisch erzielbare Lösung zu finden und umzusetzen.
Eine umfassende Hilfe besteht deshalb aus der Erfassung der persönlichen Realität des Klienten und seines Umfeldes (Feststellung des Sachverhalts); der Erklärung, was diese Lage des Klienten für diesen im Scheidungsfall rechtlich bedeutet (rechtliche Beurteilung); der Hilfe für den Klienten, seine Wünsche und Zielvorstellungen zu finden und zu artikulieren (Erarbeitung der Ziele); der Erörterung und Überarbeitung dieser Ziele (Zielüberprüfung); der Festlegung der konkreten Vorgangsweise (Strategiebestimmung); der konkreten Durchführung (Implementierung) und aus der stÄndigen Rücksprache mit dem Klienten und der laufenden Anpassung an die sich dynamisch verÄndernden LebensumstÄnde (Update). Oft gestaltet sich die Feststellung des Sachverhaltes als Äußerst schwierig. Der Klient will sich mit einigen Lebensbereichen nicht auseinandersetzen oder hat sich darum einfach nicht gekÜmmert. Hier bedarf es der Führung und Aufarbeitung durch den Anwalt.
Besonders schwierig ist meistens die Feststellung der konkreten Wünsche des Klienten. Dieser ist wegen seines GemÜtszustandes manchmal noch gar nicht in der Lage, für ihn zukunftsentscheidende Fragen auch nur zu beantworten. Hier gilt es zu stärken (selbst oder mit psychotherapeutischer Hilfe) und allenfalls noch zuzuwarten, bis der Klient selbst weiß, was er will.
Manchmal bitten Klienten geradezu darum, dass ich für sie entscheide. Dies lehne ich ab. Ich weigere mich, das Leben meines Klienten zu leben. Wohl aber werde ich meine persönliche Meinung sagen und selbstverstÄndlich meinen reichhaltigen Erfahrungsschatz einbringen.
Hat der Klient seine Ziele erkannt und bekannt gegeben, so gehören diese konkretisiert und müssen im Hinblick auf die Realisierung angepasst werden.
Bei den Zielen sollten aber durchaus mehrere Optionen erarbeitet werden. So wäre im konkreten Fall auch der Erhalt einer etwas kleineren Eigentumswohnung oder unter bestimmten Bedingungen die Übertragung der Rechte an der bisherigen ehelichen Wohnung möglich. Die meisten meiner Klienten haben durchaus realistische Vorstellungen, wobei sie nicht wissen, was ihnen zustehen könnte. Ist der Rahmen des Erreichbaren abgesteckt worden, soll der Klient sich konkret mit seiner nach der Scheidung anzustrebenden Lebenssituation auseinandersetzen. Dies ist wegen des Leidensdrucks oft sehr schwierig. Oft glaubt der Klient, dass „die Scheidung“ – was immer er damit meint – alle seine Probleme auf einmal löst.
Das ist ein großer Irrtum. Der Klient soll vielmehr seinen jetzigen Lebensumständen realistische Zukunftsszenarien fÜr die Zeit nach seiner Scheidung gegenÜberstellen. Dies fordert aber die Mitarbeit des Klienten an seiner weiteren Lebensplanung. Erst wenn dieser Entscheidungsfindungsprozess weit genug fortgeschritten ist, sollte die strategische Umsetzung erfolgen. Manchmal sind Klienten anfangs ungeduldig, weil ich nicht sofort auf Scheidung klage. Sie verstehen aber sehr schnell, dass eine Reise nicht schnell und glÜcklich beendet wird, wenn man ohne das nötige Gepäck hastig zu im Übrigen unbekannten Gefilden aufbricht.
Entscheidend für den raschen Erfolg ist die richtige Strategie. Gerade deshalb ist die Erfassung des relevanten sozialen Umfeldes und die psychologische Einschätzung der Verhaltensweise der anderen Mitspieler so wichtig. Oft kann zum Beispiel der Schwiegervater von entscheidenderer Bedeutung fÜr eine gute LÖsung sein als der Ehegatte. Es gilt sohin, alle Mitspieler zu erkennen und richtig einzuschätzen.
Wichtig ist es, unnötige, zusätzliche Schwierigkeiten zu vermeiden, zu erwartenden Widerständen gewappnet zu begegnen und bereits Lösungsoptionen bereit zu halten. Bei aller Aufmerksamkeit für den anderen Ehegatten, für Kinder, Verwandte, Gläubiger, den gegnerischen Rechtsanwalt und den zuständigen Richter muss allerdings der eigene Klient im Mittelpunkt stehen.
Die edelsten Ziele und die genialste Strategie sind nutzlos, wenn der Betroffene dem Trennungsprozess nicht gewachsen ist. Der Klient muss deshalb seinem Anwalt nicht nur die Entwicklungen in seinem sozialen Umfeld, sondern vor allem seine eigene Befindlichkeit – Ängste und Sorgen – stÄndig mitteilen. Nur so kann er aufgefangen, gehalten und wieder aufgebaut werden. Deshalb bedarf es seitens des Familienrechtsexperten großer Empathie und großen VerstÄndnisses für diese oft so schmerzlichen Zeiten. Deshalb ist dieses anwaltliche TÄtigkeitsfeld ein so kontaktintensives. Diese Hilfe ist auch fÜr mich manchmal anstrengend, da ich mit sehr viel Leid konfrontiert werde. Das SchÖne an meiner TÄtigkeit besteht aber darin, Menschen in ihrer Not beizustehen und mich am Ende mit ihnen an ihrem neuen Lebensglück zu erfreuen. So belastend in psychischer und zwischenmenschlicher Hinsicht die Scheidungssituation auch ist, die Entscheidungen, die in dieser Zeit getroffen werden, wirken sich auf die Klienten, auf deren Ehegatten und die Kinder langfristig aus und sollten daher nicht unÜberlegt erfolgen. Es ist nicht verfehlt, die Scheidung schon bei den ersten Anzeichen einer möglichen Trennung als Vorhaben zu betrachten, das einer genauen Planung wÜrdig ist.
Ich habe bereits erwähnt, dass eine Scheidung im juristischen Sinne vor allem eines ist: die Aufteilung des ehelichen Vermögens und die Vorsorge für den Unterhalt unversorgter Ehepartner und Kinder. Daher mein Rat an meine Klienten, strategisch vorzugehen und Ziele zu definieren. Was soll erreicht werden? Wie soll dies geschehen? Welche Mittel stehen für die Erreichung der Ziele zur Verfügung?
Wichtig ist, sich auf eine offensive, handlungsorientierte Vorgehensweise vorzubereiten. Und bei allem Stress, den eine Scheidung verursacht, ein Quäntchen Distanz zur Situation zu behalten, das immer wieder erlaubt, objektiv auf die Lage zu blicken.
Das Familienrecht stellt die Bedeutung des Faktischen in den Vordergrund. Es geht also nicht darum, wer wo gemeldet ist, sondern wo sich Frau, Mann und Kind wirklich aufhalten. Das Familienrecht ist lebensnah und es bedarf in Familienrechtssachen praktischer Lösungen. Trauer und Neubeginn Auf die Scheidung folgt eine Trauerphase, in der nach der langen Anspannung Emotionen endlich wieder ihren Platz haben. HÄufig gibt es erst mal viele TrÄnen, vor allem aber tritt die vielleicht lange Übergangene Erschöpfung zu Tage. Es folgt eine Phase gewisser Gleichgültigkeit. WÄhrend dieser Zeit wird die Scheidung verarbeitet, Körper und Geist werden regeneriert, der Kopf wird wieder frei; viele schöne Seiten des Lebens werden wieder bewusster wahrgenommen. In dieser Phase beginnt das Leben nach der Scheidung. Eine neue IdentitÄt wird entwickelt und man traut sich auch wieder, Pläne zu schmieden, und entwickelt neue Zukunftsperspektiven. Meist bessert sich auch die Gesprächsbasis mit dem Expartner, die Besuchsregelungen pendeln sich ein, die Lage beruhigt sich. Eine Scheidung ist ein prÄgender Einschnitt im Leben der Ex-Ehegatten und der Kinder. Sie wirkt sich auf das gesamte soziale Gefüge der Verwandtschaft und des Freundeskreises aus. Kinder, die beim Ex-Gatten bleiben, materielle Einbußen, erzwungene Veränderungen der beruflichen Situation, Aufgabe von Haus oder Wohnung … die Einschnitte sind vielfach massiv und besonders dann sehr schmerzhaft, wenn der andere die Schuld an der Trennung, der Scheidung trägt.
Ein mit der Scheidung oft notwendig gewordener Ortswechsel und Umzug in eine andere Region, einen anderen Ort oder eine andere Stadt belastet die Kinder aufgrund eines Schulwechsels ebenso, wie die Elternteile sich an einen neuen Arbeitsplatz, eine neue Umgebung, ein neues Umfeld gewöhnen müssen.
Schwierig ist das alles nicht nur für die Ehepartner selbst und die Kinder, sondern auch für neue Partner, vielfach mit eigenen Kindern, die mitten in diese Situation kommen und sich auch oft erst orientieren und ihre Rolle finden mÜssen. Sich selbst Zeit lassen und anderen Zeit geben ist wichtig fur alle Beteiligten.
Die Neuorganisation des Haushalts und des Tagesablaufs ist oft nicht einfach; dazu müssen sich Besuchsregelungen einspielen und die Kommunikation mit dem Ex-Ehegatten auf eine tragfähige Basis gestellt werden. Projektionen und Beschuldigungen sollten jedoch im Sinne der Kinder irgendwann ein Ende haben, um die Scheidung nicht nur auf dem Papier, sondern auch mental irgendwann abzuschließen. – Probleme können natürlich nicht ausgeschlossen werden, aber auch da kann Hilfe gesucht werden, bevor die Dinge wieder eskalieren. Wie leicht oder wie schwer all diese Veränderungen akzeptiert und verkraftet werden, hängt von vielen Faktoren ab, die zu beschreiben hier zu weit gehen würde. Eines ist jedoch wesentlich: Je konstruktiver die Betroffenen an die Veränderungen herangehen, umso leichter werden sie sich in ihrem neuen Leben zurechtfinden. Die Erfahrungen aus der Ehe und der Zeit der Scheidung zu verarbeiten ist eine wichtige Aufgabe, für die sich alle Beteiligten ausreichend Zeit nehmen sollten. Doch ist es auch sehr wichtig, den Blick nach vorne zu richten und die Chancen wahrzunehmen, die mit der Beendigung eines vielleicht schon jahrelang belastenden Zustandes einhergehen. Viele Betroffene können sich beim ersten Gespräch mit mir nicht vorstellen, dass ihnen ihr Leben wieder Spaß machen wird. Sie können wegen ihres Leids nicht sehen, dass meistens nach einer Scheidung noch sehr viele Jahre vor ihnen liegen. Sie können sich nicht vorstellen, dass es glückliche Jahre sein können. Wenn es ihnen gelingt, sich hier eine gewisse Gelassenheit in Detailfragen zu erarbeiten, wenn sie es schaffen, die Dinge in die richtigen Relationen zu bringen, dann haben die Menschen schon viel gewonnen.
Wer vom Ehepartner betrogen oder verlassen wurde, kann das im Moment des Ereignisses nur schwer verkraften. Zukunftshoffnungen auf ein gemeinsames Leben wurden enttäuscht, und nun ist man allein, muss von vorne beginnen. Vielleicht aber hat ein Partner nach Jahren der ehelichen Routine, des zwar harmonischen, aber doch eher langweiligen Nebeneinanderherlebens einen Menschen kennen gelernt, der ihm oder ihr einen zweiten FrÜhling beschert und mit dem er oder sie nun das alles nachholen möchten, was in den vergangenen Jahren – vermeintlich – versÄumt wurde. Konflikte in der Ehe und das daraus folgende Scheitern von Ehen basieren auf einigen grundsÄtzlichen Problematiken, die sich aus Erwartungshaltungen, aus Persönlichkeitsmerkmalen, aus Kommunikationsproblemen und nicht zuletzt aus einem von Medien und Unterhaltungsindustrie vermittelten Bild von Liebe und Glück zusammensetzen, das an der Wirklichkeit zwangsläufig scheitern muss – „… und sie lebten glücklich bis an das Ende ihrer Tage“ gibt es nur im Märchen und in Hollywoodfilmen, die bezeichnenderweise an jener Stelle enden, wo es erst so richtig anstrengend wird. Der Alltag lässt das idealisierte Bild der Familie oft recht bald zerbrechen und man sucht nach einem Ausweg, der oft genug „Scheidung“ heißt. Menschen verändern sich und dies oft in verschiedene Richtungen. Wie schon Cicero vor rund 2000 Jahren schrieb, scheitern daran Freundschaften. Ehen scheitern genauso daran. Sie scheitern in erster Linie an der schlechten Kommunikation. Man hat sich nichts zu sagen, man versteht einander nicht. Ich werde auch oft gefragt, wie das Scheitern von Ehen verhindert werden könne.
Auch wenn es kein Patentrezept für diese Frage gibt, so wird die Antwort wohl lauten: durch Kommunikation. Ohne Gedankenaustausch kann es kein gegenseitiges Verständnis, keine Gemeinsamkeiten geben. Ohne Zeit, ohne Zeit fÜr einander kann eine Beziehung nicht blühen und gedeihen. Zeit ist jedenfalls erforderlich, um regelmäßig an der Beziehung zu arbeiten. Nichts ist fix, schon gar nicht das Glück der größten Verliebtheit bei der Eheschließung.
Der Zeitgeist führt auch oft dazu, dass ohne Nachdenken geheiratet wird. Eine umfassende Beratung Über rechtliche Folgen einer Eheschließung kommt praktisch nicht vor. Sie wÜrde aber sicher viele Ehetragödien von vornherein verhindern.
Aber genau so, wie manchmal unüberlegt geheiratet wird, wird eine Ehe oft övorschnell aufgegeben. Viele Menschen künnen oder wollen oft nichts mehr zu einer möglichen Rettung der Ehe tun. Sie sind häufig nicht bereit, gemeinsam mit dem Partner an der Überwindung der Krise zu arbeiten. Wenn ich aufgrund meiner langjährigen Erfahrung noch an die Ehe glaube, rate ich immer wieder zu einer Familientherapie, um einen letzten Rettungsversuch zu unternehmen. Leider ist aber oft eine Seite uneinsichtig oder unwillig. Leider ist aber auch oft schon zu spät, weil es in diesem Zeitpunkt schon kein Zurück mehr gibt.
Je früher daher Schwierigkeiten in einer Ehe erkannt werden, je früher dann hilfreicher Rat eingeholt wird, umso größer sind die Chancen, nicht nur im Scheidungsfall bestens gewappnet zu sein, sondern eine Scheidung vielleicht sogar abwenden zu kÖnnen. Welches Szenario auch immer eine Scheidung auslöst oder charakterisiert, sie ist nicht nur das Ende einer Ehe, sondern auch ein Neubeginn. Die Gelegenheit, Bilanz zu ziehen und seinem Leben eine neue Richtung zu geben. Und sie gibt Gelegenheit, über das Scheitern nachzudenken, die Gründe und Auslöser und die Vorstellungen, die man selbst von der Institution Ehe hat, von Familie und den Bedingungen des Zusammenlebens, anzuschauen, zu hinterfragen und gegebenenfalls zu ändern. Ein solcher Nachdenkprozess ist auf jeden Fall für jene sinnvoll, die sich mit dem Gedanken einer neuerlichen Eheschließung tragen; und ganz besonders dann, wenn ein Kind oder mehrere Kinder von diesen Zukunftsentscheidungen mit betroffen sind, sei das der eigene Nachwuchs oder seien das die Kinder des künftigen neuen Ehepartners.
Für Familien von Geschiedenen, die Kinder mit in die Ehe bringen und gemeinsame Kinder haben, hat sich der Begriff der Patchworkfamilie eingebürgert. Patchwork nennt man die Technik, aus verschiedenen Stoffen phantasievolle Muster, Bilder, Kissenbezüge und gemütliche Decken zusammenzufügen, und der Begriff setzt sich als sympathische Bezeichnung fÜr „Stieffamilie“ durch.
Patchworkfamilien sind heute keine Seltenheit und das Leben in einer solchen ist eine Herausforderung für alle Beteiligten. Dabei hängt es natÜrlich wieder von zahlreichen Parametern wie dem Alter der Kinder, dem VerÄnderungsstress, der vielleicht durch Umzug und Schulwechsel entsteht, aber auch vom Umgang der leiblichen Eltern miteinander ab, wie sich das Zusammenleben gestaltet. Der Begriff „Patchwork“ lässt aber nicht ohne Hintergrund auch an Buntheit denken, an Stoffschnipsel, die, liebevoll zu einem großen Ganzen zusammengefügt, ein Muster ergeben, ein Bild, etwas vollkommen Neues, Spannendes. Ich werde oft gefragt, ob bzw. warum mich mein Beruf erfÜllt. – Richtig ist, dass ich in meinem jahrelangen Einsatz für meine Klienten oft täglich mit Verzweiflung, Drohungen, Gewalt und vielem Unschönen konfrontiert werde. Die stundenlangen Gespräche mit verunsicherten Menschen, die sich in einer Ausnahmesituation befinden, sind für mich sehr fordernd.
Schön ist es aber, sich in das Leben eines Hilfe suchenden Menschen in Not einzufÜhlen und mit ihm Zukunftsperspektiven zu suchen, zu finden und zu verwirklichen.
Der Dank eines vormals hoffnungslosen Menschen, der sich danach wieder an seinem Leben erfreut, ist der schönste Lohn für meine Tätigkeit. DR. ALFRED KRIEGLER ZU BEZIEHEN UNTER:
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